Baia di Ieranto von oben – Meeresschutzgebiet Punta Campanella, Massa Lubrense

Massa Lubrense · Meeresschutzgebiet · FAI

Baia di Ieranto

Unter den 8 schönsten Buchten der Welt: Naturschutz, Faraglioni di Capri und ein Meer, in dem die Fische keine Angst vor Menschen haben.

Nur für Mutige

Ieranto ist kein Strand für jeden. Es gibt keine Straße, keine Einrichtungen, keine Sonnenschirme. Es gibt nur einen Wanderweg von ca. 40–50 Minuten, der durch einen Kiefernwald bis zu einer versteckten Bucht aus goldenem Sand und Kiesel hinabführt, umgeben von fast 100 Meter hohen weißen Klippen.

Wer bereit ist zu wandern, findet das, was nur wenige Touristen je sehen werden: einen nahezu menschenleeren Strand, kristallklares Wasser zum Schnorcheln und das Zirpen der Zikaden, das bis zum Meereshorizont hallt. Der Ort, an dem die Küste wild bleibt.

Geschützt vom FAI – Fondo Ambiente Italiano seit 1987 und Teil des Meeresschutzgebiets Punta Campanella, wurde diese Bucht von mehreren internationalen Reisepublikationen in die Liste der 8 schönsten Buchten der Welt aufgenommen. Der Grund ist evident, sobald man ankommt: eine Mondsichel zwischen Klippen, mit den Faraglioni di Capri direkt gegenüber, so nah, dass sie erreichbar scheinen. Und die Fische – geschützt durch das Angelverbot – schwimmen wenige Zentimeter vom Ufer entfernt ohne Angst.

Ieranto in Zahlen

1987

Jahr des FAI-Erwerbs

49 ha

Geschützte Fläche

200+

Erfasste Meeresarten

Top 8

Schönste Buchten der Welt

Geschichte: Vom Mythos zum Steinbruch zur Wiedergeburt

Der Name „Ieranto" stammt vom altgriechischen Ieros (heilig). Der Überlieferung nach war das Vorgebirge den Sirenen der griechischen Mythologie geweiht: Genau hier, zwischen Ieranto und Punta Campanella, hörte Odysseus – ans Hauptmast seines Schiffes gebunden – den unwiderstehlichen Gesang der Sirenen auf seiner Rückreise aus Troja.

Die Römer errichteten auf der nahen Punta Campanella einen Tempel der Athena (Minerva), was die Heiligkeit des Ortes bestätigt. Jahrhundertelang blieb die Bucht ein Ort für Fischer und Bauern, mit den auf Oliven angebauten Terrassen, die noch heute die Landschaft prägen.

Der Ehemalige Italsider-Steinbruch (1918–1952)

1918 eröffnete die Gesellschaft Italsider einen Dolomit-Kalksteinbruch im östlichen Teil der Bucht. Für 34 Jahre wurde Stein vom Kliff abgebaut und direkt auf die in der Bucht vertäuten Prähme über ein System aus Seilbahnen und Trichtern verladen. Der Betrieb veränderte die Landschaft grundlegend und hinterließ Narben im Fels, die noch heute sichtbar sind.

Der Steinbruch schloss 1952. Die Überreste der Industrieanlagen – Pfeiler, Schienen, Bunker – wurden von der Vegetation schrittweise eingehüllt. 1987 erwarb der FAI das gesamte Gelände (49 Hektar) dank einer Schenkung und startete ein Umweltrestaurierungsprogramm, das ein verlassenes Industriegelände in einen der wertvollsten Naturorte Italiens verwandelt hat.

Meeresschutzgebiet: Das Unterwasser-Heiligtum

Die Baia di Ieranto liegt in der Zone B (allgemeine Schutzzone) des 1997 gegründeten Meeresschutzgebiets Punta Campanella. Das bedeutet absolutes Angelverbot, Verbot der Organismensammlung, freies Ankern und Motorschifffahrt. Das Ergebnis nach fast 30 Jahren Schutz ist ein Meeresökosystem von außergewöhnlichem Reichtum.

Die Gewässer von Ieranto sind zu einem echten Naturlabor geworden, das zeigt, was passiert, wenn das Meer in Ruhe gelassen wird. Die Arten, die anderswo selten oder verschwunden sind, gedeihen hier wenige Meter vom Ufer entfernt.

Was Man beim Schnorcheln Sieht

Riffische

Braune Zackenbarsche, Goldbrassen, Castagnole

Braune Zackenbarsche erreichen 50–60 cm und nähern sich Schwimmern ohne Scheu. Goldbrassen bilden Schwärme von Dutzenden zwischen den Felsen. Blaue Castagnole färben das Wasser wie Konfetti.

Pelagische Räuber

Mediterrane Barrakudas, Zahnbrassen, Bernsteinmakrelen

Mediterrane Barrakudas (bis zu 1 Meter) patrouillieren in kleinen Schwärmen am Buchteneingang. Zahnbrassen und Bernsteinmakrelen sieht man in tieferem Wasser, besonders früh morgens.

Meeresgrund

Tintenfische, Muränen, Seesterne, Seeigel

Tintenfische sind zwischen den Felsen häufig (nicht anfassen). Muränen verstecken sich in Spalten. Der Boden ist reich an Seeigeln, Anemonen und bunten Nacktschnecken, sichtbar in wenigen Metern Tiefe.

Posidonia-Wiesen

Das Schlüsselökosystem des Mittelmeers

Die Posidonia oceanica-Wiesen auf dem Meeresgrund sind der Lebensraum, der diese gesamte Artenvielfalt trägt. Sie produzieren Sauerstoff, schützen die Küste vor Erosion und beherbergen Hunderte von Arten.

Der FAI-Wanderweg: Von Nerano zur Bucht

1

Start in Nerano (0–10 Min.)

Start vom Dorfplatz in Nerano (Ortsteil von Massa Lubrense). Der Pfad beginnt mit einem gepflasterten Saumpfad zwischen Trockenmauern und Olivenhainen. FAI-Schilder zeigen die Richtung. Erste Ausblicke auf Marina del Cantone.

2

Die Macchia mediterranea (10–25 Min.)

Der Pfad tritt in die Macchia mediterranea ein: Myrte, Mastixstrauch, wilder Rosmarin und Seekiefern. Die Luft ist intensiv duftend. Man beginnt, die Bucht in der Ferne und die Faraglioni di Capri am Horizont zu sehen.

3

Die Steinbruchreste (25–35 Min.)

Man durchquert die Überreste des ehemaligen Italsider-Steinbruchs: von der Vegetation verschluckte Betonpfeiler, verrostete alte Schienen, Bunker. Ein Stück Industriearchäologie, das der FAI als historisches Zeugnis erhalten hat.

4

Der finale Abstieg und die Bucht (35–50 Min.)

Das letzte Stück fällt steil zum Meer ab. An einem Punkt öffnet sich die Bucht in ihrer ganzen Schönheit: heller Sand, türkisfarbenes Wasser, weiße Klippen und die Faraglioni di Capri perfekt am Horizont ausgerichtet. Der visuelle Eindruck ist unvergesslich.

Anreise

Wanderweg · Empfohlen

Von Nerano (Massa Lubrense)

40–50 Min. bergab, 60–70 Min. bergauf. Markierter FAI-Pfad. Parkplatz in Nerano (im Sommer begrenzt, früh ankommen). Schwierigkeit: mittel.

Per Boot

Wassertaxi oder Kajak

Wassertaxi von Marina del Cantone (~10 Min., 50–80 € pro Boot). Kajak-Verleih von Marina del Cantone. Verbrennungsmotoren in der Bucht verboten (Schutzgebiet).

Bus + Wanderweg

Von Sorrent nach Nerano

SITA-Bus von Sorrent nach Nerano (ca. 30 Min.). Dann Wanderweg zu Fuß. Autofreie Lösung. Fahrzeiten auf sitasudtrasporti.it prüfen.

Mit dem Auto

Parkplatz in Nerano

Begrenzter Parkplatz in Nerano (wenige Plätze entlang der Straße). Im Sommer vor 8:30 Uhr ankommen. Von Sorrent ca. 25 Min. mit dem Auto über die SP45.

5 Tipps der Einheimischen

1. Alles mitnehmen

Es gibt weder Bars noch Restaurants noch Einrichtungen jeglicher Art. Mitbringen: Wasser (mindestens 2 Liter pro Person), Essen, Sonnencreme, Hut, geschlossene Schuhe für den Pfad und Wasserschuhe fürs Wasser. Eine Mülltüte ist Pflicht: Nichts zurücklassen.

2. Schnorchelmaske und Schnorchel sind unverzichtbar

Nach Ieranto ohne Schnorchelmaske zu kommen ist wie blind ins Louvre zu gehen. Zackenbarsche nähern sich auf weniger als einen Meter. Barrakudas patrouillieren am Buchteneingang. Die Posidonia-Wiesen wimmeln vor Leben. Es ist das beste Schnorcheln der Sorrentiner Halbinsel.

3. Früh aufbrechen, vor 16 Uhr zurück

Der Rückweg bergauf (60–70 Min.) unter der Nachmittagssonne ist sehr anstrengend. Um 8:00–8:30 Uhr von Nerano aufbrechen, die Bucht bis 14–15 Uhr genießen und am späten Nachmittag aufsteigen, wenn der Pfad im Schatten liegt.

4. Nach der Bucht Mittagessen in Nerano

Nerano ist berühmt für die Spaghetti alla Nerano (frittierte Zucchini und Provolone del Monaco), die 1952 hier erfunden wurden. Nach der Wanderung ist ein Teller in der Taverna del Capitano oder bei Maria Grazia die perfekte Belohnung.

5. Das Schutzgebiet respektieren

Fischen, Muscheln, Seeigel oder Organismen sammeln ist verboten. Auf Posidonia-Wiesen ankern ist verboten. Die Fische nicht anfassen (auch wenn sie sich nähern). Die Einhaltung der Regeln ist das, was diesen Ort so besonders macht.

Häufig Gestellte Fragen

Wie kommt man zur Baia di Ieranto?
Der Hauptpfad beginnt im Ortsteil Nerano (Massa Lubrense). Man parkt in Nerano und wandert ca. 40–50 Minuten bergab auf einem vom FAI markierten Pfad durch Olivenhaine und Macchia mediterranea. Der Abstieg hat einen Höhenunterschied von ca. 200 Metern. Der Rückweg bergauf dauert ca. 60–70 Minuten. Alternativ ist die Anfahrt per Wassertaxi von Marina del Cantone oder Sorrent möglich.
Ist die Baia di Ieranto wirklich unter den 8 schönsten Buchten der Welt?
Die Baia di Ieranto wurde von mehreren internationalen Reisepublikationen in die Liste der 8 schönsten Buchten der Welt aufgenommen. Die Anerkennung beruht auf der einzigartigen Kombination aus Landschaft (die Faraglioni di Capri als Kulisse), geschützter Meeresbiodiversität, fehlender Bebauung und der jahrtausendealten Geschichte des Ortes. Der FAI verwaltet sie seit 1987 als Natur- und Kulturgut.
Darf man in der Baia di Ieranto fischen oder sammeln?
Nein. Die Baia di Ieranto gehört zum Meeresschutzgebiet Punta Campanella (Zone B – allgemeine Schutzzone). Fischen, das Sammeln von Meeresorganismen, freies Ankern und der Einsatz von Verbrennungsmotoren sind verboten. Diese Einschränkungen haben eine außergewöhnliche Erholung der Meeresfauna ermöglicht.
Welche Fische sieht man beim Schnorcheln?
Dank des Schutzes des Meeresschutzgebiets beherbergen die Gewässer von Ieranto eine außergewöhnliche Artenvielfalt: Braune Zackenbarsche (bis zu 60 cm), mediterrane Barrakudas, Zahnbrassen, Bernsteinmakrelen, Goldbrassen, blaue Castagnole, Lippfische, Tintenfische, Muränen, Seesterne und Seeigel. Die Posidonia-Wiesen auf dem Meeresgrund sind der ideale Lebensraum für Dutzende von Arten. Es ist üblich, Schwärme von Hunderten von Fischen wenige Meter vom Ufer entfernt zu sichten.
Ist der Pfad für Kinder geeignet?
Der Pfad eignet sich für Kinder ab 7–8 Jahren, die an Wanderungen gewöhnt sind. Er hat keine exponierten oder gefährlichen Abschnitte, ist aber lang (40–50 Min. bergab, 60–70 bergauf) und stellenweise steil. Reichlich Wasser mitbringen (mindestens 1,5 Liter pro Person), Hut, Sonnencreme und geschlossene Schuhe. Am Strand gibt es weder Einrichtungen noch Schatten.